Was ich unter Vogelzucht verstehe !!!

Vogelzucht heißt nicht, planloses Vermehren von Vögeln, möglichst, um damit noch Geld zu verdienen, wie es uns Vogelzüchtern von einigen Gegnern vorgeworfen wird, sondern:

-  Das ganze Jahr hindurch Verantwortung für die uns anvertrauten Kreaturen zu übernehmen, da es sich nicht um eine tote Sache handelt, die, wenn man keine Zeit hat, einfach in die Ecke gestellt werden kann oder durch Knopfdruck, bzw. Fernbedienung zum Schweigengebracht wird.

-  Intensive Pflege – auch bei Erkrankung einzelner Vögel – Tag für Tag. Hierzu ist es erforderlich, die Lebensgewohnheiten der Vögel genau zu kennen. Dies spielt natürlich besonders bei nicht domestizierten Rassen eine herausgestellte Rolle.

„Domestizierte Rassen“ sind Tiere, die sich schon seit Generationen in Menschenobhut befinden und erfolgreich gezüchtet werden. Die bekanntesten domestizierten Vogelrassen sind der Kanarienvogel und der Wellensittich.

Das Kennenlernen der Lebensgewohnheiten bei domestizierten Rassen ist noch relativ leicht. Hierzu kann durch intensives Studium von reichlich vorhandener Fachliteratur, Gespräche mit erfahrenen Züchtern, die vornehmlich in Vogelzuchtvereinen zu finden sind, usw. ein Grundstein gelegt werden. Wichtig sind hier natürlich auch, wie in vielen anderen Lebensbereichen die eigene Erfahrung, die man sammeln muß, da der Mensch ja nicht immer bereit ist, die von anderen weitergegebenen Erfahrungen und Ratschläge anzunehmen.

Das Kennenlernen der Lebensgewohnheiten von nicht domestizierten Rassen gestaltet sich da schon etwas schwieriger. Hier gibt es zwar für eine große Anzahl von Rassen mittlerweile auch schon gute Literatur, doch nur mit einem Literaturstudium ist es nicht getan. Hier ist mehr erforderlich. Nämlich ein genaues Beobachten der Vögel in ihren angestammten Lebensräumen, soweit das bei der immer fortschreitenden Vernichtung von Lebensräumen noch möglich ist. Dies führt dazu, dass Züchter von Vögeln aus anderen Erdteilen, wie Sittiche und Exoten immer mehr an Exkursionen in die Heimat ihrer ausgewählten Schützlinge teilnehmen. Züchter von europäischen Rassen haben es da nicht so schwer, sie brauchen nur die Vögel in der freien Natur zu beobachten. Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Man muß erst einmal die Gabe und Bereitschaft haben, die Natur mit den „richtigen“ Augen zu sehen, dann muß man bereit sein viel Zeit zu investieren. Dies wiederum wird in der heutigen Zeit, wo viele den Wahlspruch haben: „Zeit ist Geld und Geld will ich so viel wie möglich anhäufen“, nur noch von wirklichen Idealisten investiert. Diejenigen, die bereit sind sich mit Tieren und überhaupt der Natur zu beschäftigen, haben nach meinem Dafürhalten en Gewinn, dass sie viel von der uns noch verbleibenden Natur mitkriegen.

Ein weiterer Gewinn für den Einzelnen durch die Vogelzucht ist darin zu sehen, daß wir in der heuten streßgeplagten Gesellschaft einen ruhigen Pol zum Regenerieren finden. Für mich ist die Vogelstube ein solcher beruhigender Ort, an dem ich die ganze Hektik des "normalen" oder auch nicht mehr normalen Tagesgeschehen in kürzester Zeit ablegen kann und wieder wie "neugeboren" bin.

Junge Gloster im Nest, ca. 14 Tage alt
Junger Kanarengirlitz, ca. 20 Tage alt
Brütendes Buchfunkweibchen